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Das Essen muss fettig und reichlich sein

Sankt Petersburg in Russland

Sankt Petersburg, Dezember 2006, Sara Reith

„Schi und Kascha sind unser tägliches Brot“, sollen schon die Arbeiter und Bauern längst vergangener Zeiten gesagt haben. In den öffentlichen Einrichtungen, Kindergärten, Schulen und Universitäten hat sich die Ernährnung seither nicht wirklich gewandelt. Die Kohlsuppe „Schi“ gehört zu einer ordentlichen Mahlzeit einfach dazu, wahlweise ersetzt durch den Rote-Beete-Eintopf „Borschtsch“ oder einer Mischung aus Milch und Butter mit ein wenig Reis, die entfernt an den in Deutschland gängigen Milchreis erinnert. Und auch Kascha, der Brei aus Hirse, Buchweizen oder Gries, ist immer noch ein beliebtes warmes Frühstück, um Kräfte für das Leben im kalten Winter zu sammeln.

Ob aus finanzieller Notwendigkeit oder Tradition – frisch zubereites Essen ist auch im kapitalistischen Russland mit den riesigen Supermärkten wichtig für den Tagesablauf. Auf großen Märkten gibt es Obst und Gemüse aus allen Teilen der Welt, und wenn im Winter die Preise für frische Paprika und Bananen ansteigen, stellt die russische Hausfrau die Ernährung ihrer Familie eben komplett um auf Kohl und Rote Beete. Ohne diese beiden Grundnahrungsmittel ist kein russisches Essen denkbar, ob zu Hause oder in einem Restaurant.

Auf großen Märkten gibt es Obst und Gemüse aus allen Teilen der Welt.
photo: Sara Reith

Unglaublich dünn gebackene Pfannkuchen, „Blini“ genannt, sind zudem der Stolz einer jeder Köchin, gereicht werden sie wahlweise mit „Smetana“, saurer Sahne oder selbst gekochter, sehr zähflüssiger Marmelade. Über gesunde und ausgewogene Ernährung wird sich kaum Gedanken gemacht, das Essen muss fettig und reichlich sein, dann ist es gerade richtig. Ohne Brot ist keine Mahlzeit komplett, und entgegen anderslautender westlicher Anekdoten spielt Wodka beileibe nicht die Hauptrolle einer Einladung zum Abendessen, vielmehr wird Tee zu jeder Tages- und Mahlzeit gereicht.

Die Bilder leerer Regale, die Anfang der neunziger Jahre durch die Presse gingen, sind längst Vergangheit – inzwischen kann man alles kaufen, von italienischen Barilla-Nudeln über Whiskas-Katzennahrung und Bahlsen-Kekse – fragt sich nur, zu welchem Preis. Die Westprodukte sind teuer, und vielfach werden die russischen Erzeugnisse vom Verbraucher mehr geschätzt, da sie ob der fehlenden Konservierungsstoffe „natürlicher“ schmecken. Dafür verdirbt der Frisckäse und die Milch freilich auch schon nach wenigen Tagen.

Die eigenen Erzeugnisse vom Wochenendhaus, der Datscha, bleiben ein wichtiger Faktor in der russischen Familie. Jedes noch so kleine Stück Land wird beackert und kultiviert, die Ernte wird im Herbst eingekocht, eingefroren oder getrocknet, auf dass die Vorräte reichen, den langen Winter zu überbrücken.

Und selbst russische Fastfood-Läden stehen in der Gunst der Konsumenten weit vor McDonalds und Burger King. Ob „Tschainaja Loschka“ mit frischen Pfannenkuchen und dutzenden Teesorten, „Russkij Blin“ mit Tagessuppen und Pfannkuchen oder „Teremok“ mit – wie sollte es anders sein – Pfannkuchen zum Mitnehmen im Angebot, die Fastfood-Ketten breiten sich in der ganzen Stadt aus. Für weniger als einen Euro kann man sich hier schnell sättigen – ungeachtet dessen bleiben die Pfannkuchen der Oma, der allseits geachteten Babuschka, immer noch die besten der ganzen Stadt.

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