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„Roschdestwo“ – „Geburt“, wie Weihnachten auf Russisch heißt, noch nicht einmal ein Feiertag

Sankt Petersburg, Dezember 2006

Der 24. Dezember ist ein Tag wie jeder andere in Russland. Menschen gehen zur Arbeit, kaufen ein, die Metro ist voll wie an jedem beliebigen Sonntag auch. In Westeuropa wird Weihnachten gefeiert? Das ist den wenigsten Petersburgern auf Anhieb im Gedächtnis – höchstens aus amerikanischen Fernsehserien kennt man diese Tradition.

Auf Christbäume und stimmungsvolle Beleuchtung muss trotzdem keiner Verzichten: Seit zwei Wochen erstrahlt die Stadt in einem schier unvorstellbaren Lichtermeer, drei Millionen Dollar ließ sich die Petersburger Administration das Ausschmücken der Straßen und Plätze kosten. Riesige Weihnachtsbäume mit leuchtenden Kugeln stehen an strategischen Punkten bis in die Randbezirke Petersburgs, und selbst einen Weihnachtsmarkt hat die Stadt erstmalig in diesem Jahr organisiert, der ob der lauten Beschallung mit Popmusik und dem Verkauf von profanen Wurst- und Milchprodukten in windschiefen Buden allerdings etwas gezwungen wirkt.

photo: Sara Reith

Lediglich die allerorten angebotenen Orangen wecken weihnachtliche Gefühle bei den Petersburgern: Zu kommunistischen Zeiten gab es die begehrten Südfrüchte nur Ende Dezember käuflich zu erwerben. Das kirchliche Weihnachten wird in Russland unter wenig Beachtung am siebten Januar begangen. Die 13-tägige Verspätung hat einen einfachen Grund: Die Orthodoxe Kirche hielt am Julianischen Kalender fest, den die Kommunisten 1918 zu Gunsten des westlichen Gregorianischen Kalenders abschafften. Während sowjetischen Zeiten erschien es ohnehin wenig opportun, das christliche Weihnachten zu feiern, und so konzentrierte man sich lieber auf den ideologisch unbedenklichen Jahreswechsel. Noch heute ist die Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar eines der wichtigsten Feste im gesamten Jahr.

Innerhalb der Familie kommen die Russen hier zusammen, essen und trinken, und nach der Neujahrsansprache vom Präsidenten, die traditionell vom roten Platz aus im Fernsehen übertragen wird, dürfen dann auch die Geschenke ausgepackt werden – unter dem geschmückten Christbaum, versteht sich.  Väterchen Frost, der russische Weihnachtsmann, beschenkt die Kinder in dieser quirligen Nacht, seine Gehilfin ist die im silbernen Glitzerkleid auftretende „Snegurutschka“, eine ideologisch einwandfreie Variante des Christkindes. Zum eigentlichen Weihnachten im Januar ist die ganze Aufregung dann auch schon wieder vorbei.

Strenggläubige orthodoxe Christen besuchen zwar den abendlichen Gottesdienst, doch ist „Roschdestwo“ – „Geburt“, wie Weihnachten auf Russisch heißt, noch nicht einmal ein Feiertag. Die stimmungsvollen Lieder, die in Kindergärten und Grundschulen zu dieser Jahreszeit eingeübt werden, drehen sich so auch mehr um den Jahreswechsel und der Frage, was denn in Zukunft kommen möge, als um biblische Tatsachen. Weiße Weihnachten sind auch in Russland nicht garantiert.

Der wärmste Winter seit vielen Jahren lässt die Petersburger schwitzen, nachdem Pelzmäntel und gefütterte Schuhe im November für einige Tage erstmals zum Einsatz kamen, bewegen sich die Temperaturen dieser Tage um den Gefrierpunkt, äußerst ungewöhnlich für hiesige Verhältnisse. So versuchen die Geschäftsinhaber, wenigstens mit gebastelten, übergroßen Schneeflocken in den Schaufenster davon abzulenken, dass die Straßen grau und regennass in der Dunkelheit liegen.

Einen Adventskalender kennt man in Russland allerdings nicht. Zwar kann man in einigen Geschäften importierte Schokoladenkalender aus Deutschland bekommen, allerdings erst gegen Ende Dezember. Was man dann noch mit vierundzwanzig Türchen anfangen soll, bleibt nicht nur dem russischen Konsumenten verborgen. Die farbenfrohen Pralinenschachteln und die glitzernden Kugeln und Girlanden passen dagegen hervorragend in das winterliche Russland – ob man nun europäisch Weihnachten, russisch Neujahr oder orthodox Christi Geburt feiert.

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