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Kein Beginn des Friedens im Paradies Kaschmir, kein Ende des Konflikts

Zurück zur Normalität des Alltags im wackligen Frieden

Srinagar, August 2005, Su-Kyung Han

Srinagar ist sicherlich das Herz Kaschmirs. Wenn man nachts in Srinagar ankommt und den Charme Kaschmirs atmet, erlebt man, warum dieser Ort „Himmel“, „Schweiz Asiens“ oder das „Venedig Kaschmirs“ genannt wird. Man ist ergriffen von dem traumhaften Anblick des Sees „Dal Lake“, auf dem etwa 900 beleuchtete Bootshäuser über dem Wasser schwimmen und ihren kunstvollen „Pavillons“, die sich auf der Wasseroberfläche flimmernd widerspiegeln. Das überwältigende Himalayagebierge erstreckt sich bis runter an den See, ein Wunder der Natur!

beautiful landscape of Dal Lake
photo: Su-Kyung Han

Die lebhafte Strasse mit zahlreichen Geschäften, die sich am See entlang schlängelt, lockt die Touristen an. Man traut den eigenen Augen nicht, was für eine unbeschreibliche Überraschung, ein Paradies in Mitten eines Konfliktgebietes, gefolgt von einem Bewunderungsschrei und zu gleicher Zeit Sprachlosigkeit! Es ist wahrlich schwer, die so friedlich wirkende Atmosphäre zu vermitteln, weil die Medien überwiegend von den ab und zu vorkommenden Anschlägen und den daraus resultierenden politischen Eskalationen und Spannungen zwischen Indien und Pakistan berichten.

Der Ursprung der Bootshäuser liegt in der Kolonialzeit der Engländer begründet, die als Kolonialherren vor etwa 100 Jahre im Dal Lake die Bootshäuser als Urlaubsresidenzen bauen ließen. Heute sind viele von ihnen in einheimischen Händen und dienen als Ferienwohnungen oder Hotelzimmer westlichen und indischen Touristen, die hier ihre romantische Zeit verbringen wollen. Vor sechs Jahren habe es angefangen, indische Touristen in den indischen Teil Kaschmirs zu locken, seitdem boomt die Touristenbranche, so die Lebendigkeit des Alltags ist wieder zu spüren. Die Touristenagenturen in Delhi, die stark davon profitieren, sind auf der Jagd nach Touristen, insbesondere auf frisch in Indien angekommene.

Die unwirkliche Wirklichkeit geht wie ein Traum weiter mit den touristisch dekorierten Booten, den einzigen Verkehrsmitteln zu den Bootshäusern. Der Bootsbesitzer paddelt langsam mit einem herzförmigen Paddel, der seine weiche Handbewegung tief in das Herz der Touristen führt. Jedes Bootshaus ist ein Kunststück, kunstvolle Holzschnitzerei und schön gepflegtes Anwesen. Jedes Haus trägt eine Hausnummer und einen eigenen Namen wie Keya oder Brazil, die ganze Welt befindet sich hier in einer privilegierten Dorfgemeinschaft auf dem Wasser versammelt unter dem Himmel. Bestimmt ließen es sich hier die englischen Ex-Kolonialherrscher damals gut ergehen und fühlten sich wohl, so wie die reichen indischen Familien heutzutage, die hier ihren Sommerurlaub verbringen.

boats for tourists boathouses on the Dal Lake livingroom in a boatshouse
photo: Su-Kyung Han

Die Übernachtungskosten sind wie die Ausstattungen der Bootshäuser sehr unterschiedlich, von der Luxusklasse bis zu einfachen, oder je nach Entfernung vom Ufer, wo die meisten Touristen bleiben, so variieren die Durchschnittspreise zwischen 1000 (ca. 18 Euro) bis 1500 (27 Euro) Rupien. So könnte dies auf den ersten Blick im Verhältnis zum Lebensstandard vieler Menschen in Kaschmir viel erscheinen, die Lage ist aber dennoch nicht so rosig. Viele Menschen in Kaschmir, vor allem in Srinagar, müssen die Touristensaison, die aufgrund des kurzen Sommers und der unbeständigen Wetterverhältnisse oft nur drei bis vier Monate, von Mai oder Juni bis September, dauert und begrenzt ist, nutzen, um in der Nebensaison über die Runden zu kommen, denn sie sind überwiegend auf das Einkommen des Tourismus angewiesen.

Aus diesem Grund bieten viele Boothausbesitzer neben Übernachtungsmöglichkeiten auch mehrtägige Trekkingtouren in die Berge oder Bootstouren, die man nicht unbedingt als günstig bezeichnen kann, an, so liegt der Preis einer Wochentour bei etwa 300 Euro pro Person. Sicherlich wäre dies für Naturliebhaber eine seltene Gelegenheit, Begegnungen mit dem inneren Gesicht des Himalayas zu machen. Neben Trekkingtouren ist eine ein- oder dreitägige Bootstour auch attraktiv für diejenigen, die sich physisch für die anstrengende Bergtour nicht gerüstet fühlen. Eine Tagestour, die einmalige Berglandschaft Kaschmirs zu für 400 (ca. 8 Euro) Rupien zu genießen, bieten fast alle Bootbesitzer an, was für den Bootsbesitzer harte Arbeit bedeutet.

Auf den Märkten direkt am Dal Lake und in der Altstadt findet man alles, was man zum Leben braucht. Warum Kaschmir weltweit so bekannt ist, versteht sich von alleine, wenn man den natürlichen Reichtum Kaschmirs sieht, ausgehend von den bekannten hochwertigen Textilprodukten wie Teppichen und Schals, verschiedenen Nüssen bis zu den überaus guten Naturbedingungen, dem Reisanbau bis zur wunderschönen Landschaft. Dementsprechend liegen die Lebenshaltungskosten wesentlich höher im Vergleich zu anderen Teilen Indiens, noch dazu wegen der erschwerten Transportbedingungen. Die Blütezeit Kaschmirs hinterließ ihre Spuren in der Altstadt. Zahlreiche gepflegte Moscheen zwischen alten Häusern, die zwei, drei hundert Jahre trotz unzähliger Auseinandersetzungen überstanden haben, eine Reihe von Geschäften, die auf den Grund der weltbekannten Produkte auf den ehemals hohen Lebensstandard hinweisen.

Kashmir carpets in a shop, Srinagar He still uses a very old scale to weigh fruits many sorts of corn at the market a green mosque among old buildings, Srinagar
photo: Su-Kyung Han

Von dieser Perspektive aus gesehen ist Kaschmir ein Juwel Nordindiens, auf den weder Indien noch Pakistan freiwillig verzichten möchte, und die Konflikte zwischen beiden Ländern sind auch von dieser Seite nicht unverständlich, abgesehen von den historischen Zusammenhängen und den religiösen sowie politischen Hintergründen. Die Besonderheiten der islamischen Kultur Kaschmirs und ihrer berühmten Waren brachten den Menschen bedauerlicherweise bisher kein Glück, sondern waren eher eine Tragödie, die Teilung des Landes und Trennung ihrer Familien, die bereits 58 Jahre lang andauert.

Dank der Friedensversuche zwischen Indien und Pakistan, die dieses Jahr am 7. April das erste Familientreff ermöglichten, dürfen die Bürger Kaschmirs zumindest ihre Familien und Verwandten im benachbarten Teil Kaschmirs besuchen. Dies bedeutet aber längst nicht Frieden in Kaschmir. Bevor die berührenden Szenen des Familientreffens die Herzen der Menschen verließen, kam es wieder zu mehreren Bombenattentaten. So ist das Touristenbüro in Srinagar Anfang April durch einen Bombenanschlag in Trümmer gesprengt worden, es folgten noch im Mai zwei Attentate, dabei kamen zahlreiche unschuldige Menschen ums Leben.

the bombed tourist center, Srinagar indian military control everywhere in Kashmir
photo: Su-Kyung Han

Die strengen Sicherheitskontrollen des indischen schwer bewaffneten Militärs, das sich überall, etwa alle hundert Meter in Kaschmir befindet, was für die Besucher zu übertrieben erscheint, scheint doch nicht lückenlos zu sein.

Zweifel sind angebracht, ob der Kaschmirkonflikt, der mit der Unabhängigkeit Indiens 1947 begann und seitdem fortdauert, jemals beenden wird. Das Schicksal der Menschen liegt in fremden Händen, die Hoffnung auf Unabhängigkeit des Landes ist nicht in Sicht, die 1948 beschlossene UN-Resolution lässt diese Option nicht zu, sie sieht ausschließlich eine Integration Kaschmirs mit Indien oder Pakistan vor. Der Weg zum Frieden und zur Normalität ist noch so wacklig und unsicher wie die stetig unterbrochene Stromversorgung im Hintergrund der prachtvollen Schönheit der Bootshäuser.

 
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