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Angriff Nordkoreas erschreckt eher südkoreanische Medien als Bewohner

Su-Kyung Han, Gimpo (Südkorea), 01. Dezember 2010

Als der Angriff Nordkoreas auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong an der Grenze zu Nordkorea am 23. November alle Nachrichten beherrschte, sank der Süden des Landes wieder in die Tiefe des verbalen Gefechtes, begleitet mit Wut, Entsetzen, Hass auf Norden, Vorwürfe an Regierung, Militär und auch der Sonnenscheinpolitik der ehemaligen Regierungen. Bei den Gefechten kamen insgesamt vier Menschen, zwei Soldaten und zwei Zivilisten, ums Leben. Viele wurden verletzt. Die Tatsache, dass seit dem Ende des Koreakrieges 1953 Nordkorea zum ersten Mal direkt auf das Land im Süden attackiert hat, ist ausreichend für den höchsten Alarmzustand des Landes.

Im Vordergrund zu wissen ist, dass sich die koreanische Halbinsel ideologisch noch immer im Zeiten des Kaltenkrieges findet, sowohl im Norden als auch im Süden. Den Mauerfall des Ost-West-Konflikts hat die Welt erlebt, aber Korea noch nicht. In Korea ist der alte ideologische Konflikt überlebt und allgegenwärtig. Wenn man die wirtschaftliche und technologische Entwicklung Südkoreas sieht, kann man sich kaum vorstellen, wie ein Land äußerlich so fortgeschritten ist, aber innerlich (oder ideologisch) so zückständig bleiben könnte. In jeder Ecke zu hören sind die Worte wie “Globalisierung” und “Internationalisierung” des Landes und zugleich alte feindliche Sprüche gegen Nordkorea im Kaltenkriegszeiten. Dies ist ein Paradox, das man mit normaler Vernunft nicht erklären kann.

So hat die Farbe “rot” in Südkorea eine doppelte Bedeutung, zum einen die Teufelsfarbe des Feindes Nordkorea und zum anderen die Landesfarbe der Fußballfans Südkoreas “Rotenteufel”. Bei der Fußballweltmeisterschaft glaubte man, dass das Land Südkorea endlich das “red-complex” überwunden hat. Fehlanzeige! Die so fröhlich erscheinende Ausgelassenheit der Südkoreaner verschwindet gleich, wenn es politisch ums Nordkorea geht. Nordkorea als Erzfeind Südkoreas Nr. 1 gilt nach wie vor.

Der ehemalige Präsident Kim Dae-Jung versuchte, das Land aus der Wirtschaftskrise zu retten und durch seine Entspannungspolitik für Nordkorea, die so genannte “Sonnenscheinpolitik”, auch aus dem ideologischen Kaltenkrieg rauszuholen. Diese Erfolge sollte man anerkennen, aber in Wirklichkeit waren viele Menschen von seiner Politik und Politik seines Nachfolgers Noh Moo-Hyun enttäuscht. Unverständlicherweise wurden solche Erfolge nicht positiv bewertet, weder von vielen Südkoreanern noch von den Medien im Lande. Die herrschende Meinung ist eher, dass die Pro-Nordkoreapolitik für das Land nichts gebraucht habe, sondern nur das Regime Kim Jeong-Il und sein Atomprogramm unterstützt. Kim und Noh werden sogar oft als “Kommunisten”, “Linke” oder “Palgaengyi (rote Menschen)” bezeichnet. Wer in Südkorea die Politik von den beiden schätzt, kann vorschnell als kommunistischer Regimeunterstützer Kim Jeong-Ils abgestempelt werden.

Vor diesem Hintergrund sehen viele Südkoreaner die heutige Spannung zwischen den beiden Teilen Koreas als Folge der Sonnenscheinpolitik von Kim und seinem Nachfolger Noh an, nicht als Folge der Fehlpolitik der amtierenden Regierung gegenüber Nordkorea. Seitdem Lee Myung-Bak (oft MB genannt) als Rechtskonservative und Plädoyer der neoliberalen Politik an der Macht ist, ist die Meinungsvielfalt in dieser Hinsicht kaum zu erwarten. Die Pressefreiheit des Landes wurde dramatisch verschlechtert, so dass viele südkoreanischen Medienberichte über bestimmte Themen, insbesondere das Thema “Nordkorea”, oft nicht verlässlich und kaum ausgewogen sind.

Im Zusammenhang mit dem jüngsten Ereignis wurde Präsident Lee wegen seiner verwirrenden Reaktion auf den Angriff des Nordens vorgeworfen, wurde dieser Vorwurf mit seinem immer härter werdenden Kurs gegen Nordkorea wieder verschwunden. Das südkoreanische Militär stand ebenfalls in der Kritik, denn es zeigte wieder offenkundig, wie hilflos das Militär gegen Nordkorea in den realen Situationen war, trotz der regelmäßigen Militäraktionen und -übungen mit den USA im Gelbenmeer. Man darf aber solche Militärübungen an der Grenze zu Nordkorea nicht problematisieren, obwohl dies Nordkorea provoziert hat, damit rechtfertigte Nordkorea den Angriff auf die Insel.

photo: chosun.com 2010년 11월 24일자

Solche Kritiken sind im Laufe der Zeit in den Hintergrund geraten. Der öffentliche Sender KBS, der inzwischen von vielen als Propagandainstrument der Regierung angesehen wird, hat angefangen, zu berichten, wie zerstörerisch die Bombe K-9 des südkoreanischen Militärs sei. Diese hätte Nordkorea bestimmt sehr stark beschädigt. Bei der militärischen Provokation des Nordkoreas spielen die rechtskonservativen südkoreanischen Medien als Kriegsstimmungsmacher eine wesentliche Rolle. Titel wie “Republik Korea wurde attackiert (chosun.com: 25. Nov. 2010)” oder Zitate von Androhungen des Nordkoreas oder der Abgeordneten der Regierungspartei Südkoreas als Titel zeigen, dass in den Medien eher die Emotionen herrschen, nicht die kühlen Analysen.

Vor allem gehen die drei rechtskonservativen überregionalen Zeitungen, die so genannten ChoJungDong (Chosun Ilbo, Jungang Ilbo, Donga Ilbo), selbst als Meinungsführer des Landes den Ton an, wohin die Nordkorea-Politik der Regierung gehen soll. Mit Nordkorea solle man nach deren Vorstellung sehr hart umgehen. Diese feinselige Grundhaltung entspricht der Regierungspolitik gegenüber Nordkorea und den Erwartungen der übermäßig rechtskonservativen Südkoreaner.

Obwohl im Ausland nicht nur die Haltung der USA, sondern auch Chinas für die Deeskalation des Konflikts und die künftigen Frieden auf der koreanischen Halbinsel als entscheidend angesehen wird, scheint es in Südkorea die Wichtigkeit Chinas kaum zu bemerken. Stattdessen plante Südkorea mit den USA ein gemeinsames Militärmanöver vom 28. November bis 1. Dezember, um die Stärke des Militärs und die starke Bindung zu USA zu demonstrieren.

Anders als Medienberichte über die Kriegsstimmung nehmen viele Bewohner in den Grenzregionen zu Nordkorea nicht so Ernst. Am Anfang wussten sie noch nicht mal, was wirklich auf der Nachbarinsel passierte. “Zwar habe ich auch den Beschuss gehört, ‘Pang’ ‘Pang’ wie explodiert gegen 14 Uhr. Es dauert 20 bis 30 Minuten lang…, dabei habe ich aber nichts gedacht. Erst über Medien habe ich erfahren, was das war”, erzählte Kang Jin-Suk (40), eine Inselbewohner in Kangwha. Wie sie meinte, man könnte nur denken, dass das südkoreanische Militär wieder bei der Übung sei. Lee Mi-Jeong (43), Besitzerin eines kleinen Restaurants, sagte, “viele Gäste erzählten mir, dass fast ein Krieg ausgebrochen sei. Ich hab aber nicht mitgekriegt, weil ich sehr beschäftigt war. Erst am Abend habe ich die TV-Nachrichten gesehen, dann wusste ich, was los war...”

Es scheint, dass solche Konflikte eher die Medien und die Welt erschrecken, aber nicht die Bewohner in den Grenzregionen zu Nordkorea, die mittlerweile an solchen Militäraktionen von Nordkorea und Medienberichten gewöhnt und “immunisiert” sind. Es liegt auch daran, dass oft in Südkorea solche Konflikte mit Nordkorea politisch, vor allem vor der Wahl, ausgenutzt wurden, wie Nordkorea von seiner Seite politisch immer wieder auszunutzen versucht. Es ist nur zu hoffen, dass das jüngste Ereignis auf der Insel lediglich als eins von vielen militärischen Abschreckungsmanöver von Nordkorea bleibt.

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