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Fast jedes zweite Kind im Irak geht nicht zur Schule

UNICEF-Hilferuf für Kinder im Irak

Weltflüchtlingstag am 20.6.2008

Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni ruft UNICEF zu verstärkter Hilfe für die Kinder im Irak auf. Fünf Jahre nach dem Beginn des Krieges bestimmen Unsicherheit, Gewalt, Angst und Armut das Leben der Kinder im Irak.

Seit 2006 mussten über 850.000 Kinder und Jugendliche zusammen mit ihren Familien ihre Häuser verlassen und sind seither innerhalb des Landes auf der Flucht. Fast jedes zweite Kind im Grundschulalter geht nicht zur Schule. Und jedes fünfte Kind leidet an chronischer Mangelernährung. Insbesondere in zentralen und südlichen Landesteilen bestimmen Wassermangel, Stromausfälle, eine unzureichende Gesundheitsversorgung und verfallene Schulen den Alltag der Kinder. Die Angst vor Terroranschlägen ist hoch. Zehntausende Kinder haben Vater, Mutter, Geschwister oder Verwandte verloren.

Frauen und Kinder auf dem Weg zu einem Wassertank, den UNICEF in Sab’Qsoor installiert hat.
photo: unicef
photo: unicef

UNICEF arbeitet mit 90 irakischen Mitarbeitern und Partnern in allen Landesteilen. Über dieses Netzwerk organisiert UNICEF Impfkampagnen, repariert Schulen, liefert Medikamente und Zusatznahrung und verteilt Trinkwasser. Um gefährdeten Kindern in Krisenzonen und in Flüchtlingslagern sowie Waisenkindern zu helfen, wurde ein spezielles Maßnahmenpaket entwickelt. Dazu gehören Impfschutz, Zusatznahrung, Decken, Kochsets und Hygieneartikel für die Familien, die Lieferung von sauberem Trinkwasser mit Tankwagen, die Einrichtung von Notschulen sowie psychologische Unterstützung. Insgesamt 360.000 Kinder sollen noch in diesem Jahr zusätzlich erreicht werden. Für das Hilfsprogramm benötigt UNICEF rund 25 Millionen Euro. Die britische und die norwegische Regierung unterstützen die Initiative bereits. UNICEF-Deutschland stellt 100.000 Euro zur Verfügung.

„Selbst wenn wir die Gewalt im Irak vielleicht im Augenblick nicht stoppen können, so können wir doch das Leiden der Kinder lindern und für ihre Rechte eintreten“, sagte Tom Koenigs, Vorstand UNICEF Deutschland.

„Fünf Jahre nach Beginn der Invasion haben nur wenige Kinder im Irak die Chance, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und ihre Rechte zu verwirklichen. Wer die Kinder verliert, der verliert nicht nur den Krieg, sondern auch die Zukunft“, sagte die internationale UNICEF-Botschafterin Vanessa Redgrave.

„Jeder Fortschritt bei der Sicherheit im Irak muss genutzt werden, um die Lage der Bevölkerung zu verbessern. Hilfe ist möglich und erreicht die Kinder. UNICEF unterstützt unter schwierigsten Bedingungen die Familien mit Trinkwasser, impft Kinder und bringt Kinder in die Schule“, sagte Roger Wright, Leiter von UNICEF im Irak.

Kinder im Irak - Fünf Jahre nach Beginn des Krieges

Obwohl die Sicherheitslage stark schwankt, ist eine normale Kindheit für die Kinder im Irak kaum möglich. Vor allem im Zentralirak haben Armut und Gewalt Hunderttausende zu Flüchtlingen gemacht. Der Süden des Landes leidet unter chronischer Armut und Unsicherheit. Obwohl der kurdische Nordirak von einer relativen Stabilität profitiert, sind auch dort viele Kinder von Bildung ausgeschlossen.

Kinder beim Fußballspielen in einem Flüchtlingslager in Bagdad.
photo: unicef

Soziale und medizinische Grundversorgung verfallen:

Aus Angst vor Anschlägen schicken viele Eltern ihre Kinder nicht zur Schule. Die Schulgebäude sind verfallen, oft ohne elektrischen Strom und Wasser. Der Exodus von Lehrern, Ärzten und Ingenieuren hat dazu geführt, dass die soziale und medizinische Grundversorgung vielerorts nicht mehr gesichert ist. Nur 60 Prozent der Kinder sind gegen gefährliche Infektionskrankheiten geimpft. In vielen Krankenhäusern fehlen selbst die grundlegendsten Medikamente für Kinder.

Angst und Trauma:

Besonders besorgt ist UNICEF über die langfristigen psychischen Auswirkungen des Krieges. Eine ganze Generation von Kindern ist von zum Teil extremen Gewalterfahrungen geprägt. Sie hatte kaum eine Chance, Vertrauen, Zuversicht und Konfliktlösungsstrategien zu lernen. Nach einer Studie des Irakischen Gesundheits-ministeriums zeigen 30 Prozent der Kinder Anzeichen von Trauma wie Schlaf- und Konzentrationsstörungen und Angst. Viele Familien sind verarmt, nachdem Väter oder Mütter getötet oder entführt wurden. Die Kinder müssen dann früh anfangen zu arbeiten, oft versuchen sie auf der Straße Geld zu verdienen.

Kinder im Konflikt mit dem Gesetz:

Zunehmend gibt es Berichte, wonach Kinder dazu gebracht werden, selbst an Gewaltaktionen teilzunehmen. Es heißt, dass nach Aktionen der Polizei oder der Militärs rund 1.500 Kinder und Jugendliche in Gefängnissen festgehalten werden - meist ohne Anklage.

Gefahr durch Landminen und Blindgänger:

Eine permanente Gefahr für Kinder sind auch Minen und Blindgänger. Eine Untersuchung von Handicap International ergab 2006, dass während des jüngsten Krieges allein 55 Millionen Stück Streumunition von Clusterbomben abgeworfen wurden. Viele dieser Sprengkörper explodierten nicht, können aber bei Berührungen oder Erschütterungen losgehen. In 2006 waren ein Viertel der Opfer von Blindgängern Kinder und Jugendliche. UNICEF koordiniert die Aufklärungsprogramme gegen Landminen und Blindgänger an den irakischen Schulen.

* Seit 2003 hat UNICEF Deutschland durch Spenden der Bundesbürger die Hilfe für Kinder im Irak mit rund 7,3 Millionen Euro unterstützt. Hierfür dankt UNICEF allen Spendern. Selbstverständlich sind alle Spenden an UNICEF steuerlich abzugsfähig.

Spendenkonto 300.000; Bank für Sozialwirtschaft; BLZ 370 205 00; Stichwort: Irak

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