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Ärzte ohne Grenzen fordert bessere Bedingungen für ankommende Flüchtlinge an den Küsten Südeuropas

Berlin/Brüssel, 12. Juli 2008

Angesichts der für kommenden Sonntag beim EU-Gipfel in Paris geplanten Gründung der Mittelmeerunion fordert Ärzte ohne Grenzen alle Teilnehmer auf, die Aufnahmebedingungen für Flüchtlinge zu verbessern, die die südlichen Grenzen Europas erreichen. Die betroffenen Länder müssen dringend medizinische Untersuchungen und Nothilfe für alle Ankommenden gewährleisten. Der Zustand der Migranten ist besorgniserregend. Außerdem darf die EU ihre Kooperation mit den Mittelmeerpartnern nicht auf den Bereich der Grenzkontrolle beschränken. In Übereinstimmung mit dem Völkerrecht muss sie auch die Aufnahmebedingungen für Migranten verbessern und Zugang zu Asylverfahren gewährleisten. Ärzte ohne Grenzen leistet seit 2000 Nothilfe für Flüchtlinge an den südlichen Grenzen der EU.

„Verstärkte Kontrollen und Überwachung halten die Menschen nicht davon ab, zu versuchen, nach Europa zu gelangen“ sagte Antonio Virgilio, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Italien. „Diese Menschen flüchten vor Krieg, Gewalt, Hunger und extremer Not. Die gefährliche Reise zu wagen ist ihre einzige Chance. Dafür gehen sie immer größere Risiken ein. Sie fahren in immer kleineren und unsichereren Booten und brauchen noch länger. Viele kommen in einem verzweifelten Zustand an. Sie stehen unter Schock und leiden unter Unterkühlung und Hautverbrennungen durch die Sonne.“

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen in Marokko haben festgestellt, dass die Menschen wegen der verstärkten Grenzkontrollen entlang der Küsten Marokkos und Spaniens zunehmend mit dem Boot vom Süden Mauretaniens und Senegals in Richtung Kanarische Inseln aufbrechen. Dadurch wird ihre Reise länger und gefährlicher.

Ärzte ohne Grenzen betreibt derzeit in mehreren EU-Grenzländern medizinische Nothilfeprogramme, so in Spanien (Tarifa, Ceuta, Mellilla und Kanarische Inseln), Italien (Brindisi und Lampedusa) und Griechenland.

Auf der Insel Lampedusa, die jedes Jahr zwischen 12.000 und 15.000 Flüchtlinge erreichen, bieten Mitarbeiter den Ankommenden eine erste medizinische Versorgung an. Von regionalen Gesundheitseinrichtungen werden dort keine Untersuchungen angeboten.

Sowohl die Teams in Italien als auch in Griechenland beobachten einen starken Anstieg der Zahl der ankommenden Flüchtlinge. Während auf Lampedusa in der ersten Hälfte 2007 71 Boote ankamen, waren es zwischen Januar und Juni diesen Jahres 146. Außerdem sind unter den dort ankommenden Flüchtlingen mehr Frauen (+11%) und Kinder (+4,6%), und etwa 30 Prozent kommen vom Horn von Afrika, aus Kriegsgebieten wie Somalia.

Flüchtlinge aus Kriegsgebieten sollten wie potenzielle Asylwerber behandelt und bei ihrer Ankunft über die Möglichkeiten eines Asylverfahrens informiert werden. Im vergangenen Jahr sind allein in Griechenland mehr als 112.000 Migranten ohne Papiere angekommen. Von etwa 25.000 registrierten Asylsuchenden erhielten jedoch nur acht den Flüchtlingsstatus.

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