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Trotz Kindermedikament: AIDS-AktivistInnen kritisieren Pharmafirma Abbott

Tübingen/Berlin (ots), 15. März 2008

Mehr als zwei Millionen Kinder weltweit sind mit dem HI-Virus infiziert, die meisten dieser Kinder leben in Schwellen- und Entwicklungsländern. Bislang gab es kaum geeignete HIV-Medikamente für Kinder. Nur etwa 15 % von ihnen haben Zugang zu Behandlung.

Die kürzlich von der Firma Abbott entwickelte niedrig dosierte Tablette vereinfacht die Therapie für Kinder und Jugendliche. Das Aktionsbündnis gegen AIDS hatte schon lange die Entwicklung geeigneter Kinderpräparate gefordert und begrüßt das neue Kindermedikament, das heute in Berlin vorgestellt wurde. Bisher stand als einzige Therapiemöglichkeit ein bitterer Sirup zur Verfügung, der gekühlt werden muss. In Entwicklungsländern eine große Herausforderung. "Die Tablette ist ein Fortschritt, allerdings benötigen wir nun auch eine bessere Darreichungsform für Kleinkinder. Da die Tablette nur für Kinder ab 2-3 Jahre geeignet ist, müssen jüngere Kinder weiterhin den bitteren und zu kühlenden Sirup einnehmen.", betont Astrid Berner-Rodoreda, Sprecherin des Aktionsbündnis gegen AIDS.

Das neue Kindermedikament kostet in Entwicklungsländern pro Patient 250 US-Dollar im Jahr. Dies ist im Vergleich zu den Therapiekosten für einen Erwachsenen relativ günstig. Selbst in den ärmsten Ländern kostet die Therapie eines Erwachsenen 500 US-Dollar, in vielen Entwicklungsländern sogar 1.000 US-Dollar pro Jahr. Dies ist für die Gesundheitssysteme in den meisten armen Ländern unerschwinglich.

Mit zunehmender Behandlungsdauer entwickelt das HI-Virus Resistenzen, so dass immer mehr PatientInnen von der günstigen Standardtherapie auf die so genannte "zweite Therapielinie" umgestellt werden. Hier tickt jedoch aus der Sicht des Aktionsbündnis eine Zeitbombe: Die zweite Therapielinie kostet derzeit in Entwicklungsländern rund 7- bis 13-mal so viel, wobei Abbotts Produkt den Löwenanteil der Kosten ausmacht.

In Indien, dem wichtigsten Produzenten und Exporteur für günstige Nachahmerpräparate, hat die Firma Abbott zudem Patentanträge für mehrere AIDS-Medikamente gestellt. "Diese Nachahmerpräparate aus Indien sichern die Versorgung von Millionen AIDS-Patienten in Entwicklungsländern. Die Patentanträge behindern den Wettbewerb und somit die dringend notwendige Preissenkung bei den Medikamenten der zweiten Therapielinie." sagt Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne bei Ärzte ohne Grenzen. "Sie stellen damit ihre Profite über die Belange der Menschen."

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