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„Der Freiwilligengedanke ist in Deutschland generell viel mehr präsent als in Russland“

im Kinderkrisenzentrum in der Petrikirche in Sankt Petersburg
Sankt Petersburg, April 2007, Sara Reith

Die Tage von Kai Chowaniec sind fest verplant. Morgens kann der Zivildienstleistende aus Deutschland zwar ausschlafen, er wird jedoch spätestens um elf Uhr im Kinderkrisenzentrum in der Petrikirche auf dem Newsky-Prospekt sehnlich von einer hungrigen Kinderschar erwartet. „Ich hole die großen Essenstöpfe aus der Mensa, mache das Vorgekochte warm, sorge dafür, dass alle Kinder etwas in den Magen bekommen und bin danach natürlich auch noch für den Abwasch verantwortlich“, beschreibt der junge Mann seine tägliche Routine. Wenn dann noch Zeit bleibe, kümmere er sich auch um die Kinder, die das Zentrum besuchen – sie haben in der Vergangenheit Gewalt erfahren, kommen aus Familien, die nicht intakt sind, haben früh Kontakt bekommen mit Alkohol und Drogen. Keine leichte Arbeit, doch „eigentlich eine schöne Sache, die ich hier leisten kann“, findet Kai. Genau wie er denken viele junge Menschen aus Deutschland, momentan sind 47 Freiwillige allein über die Agentur „Deutsch-Russischer-Austausch“ in verschiedensten Organisationen der Stadt aktiv.

Ein deutscher Freiwilliger, der bei Perspektivy arbeitet, einer Organisation, die sich um behinderte Kinder und ihre Eltern kümmert.
photo: Sara Reith

Besonders für junge Männer ist es interessant, den Zivildienst im Ausland abzuleisten, aber auch Frauen entscheiden sich für ein Freiwilliges soziales Jahr in Russland. „Bei Deutschen schwingt oft so ein Rettungsdenken mit, wenn sie nach Russland kommen, doch das legt sich meist schnell wieder“, erzählt Julia Abrams amüsiert. Die Arbeit in den Organisationen vor Ort ist eben doch nicht immer so leicht, wie man vielleicht denken mag, erklärt Abrams, die für den Deutsch-Russischen-Austausch als Projektkoordinatorin arbeitet.

Dieses Jahr arbeiten darum auch – wie schon in den vergangenen Jahren erprobt - drei junge Russen im Berliner Partnerbüro des Deutsch-Russischen-Austausches in sozialen Projekten – für mehr Einsätze langen die von öffentlichen Stellen zur Verfügung gestellten Gelder nicht. „Wir könnten locker auch 15 schicken, wenn wir die Finanzierung hätten“, bedauert Abrams. Angewiesen auf Förderung von politischen Stiftungen, der BRD und der EU beginnt jedes Jahr auf ein Neues das Antragskarusell, das darüber entscheidet, wie viele junge Deutschen und Russen für sechs bis zwölf Monate das jeweils andere Land kennen lernen können.

Während viele deutsche Freiwillige ihren Aufenthalt in Sankt Petersburg selbst finanzieren, sind gerade die russischen Interessierten auf eine Förderung angewiesen. Um das ehrenamtliche Engagement und den sozialen Gedanken auch im Kleinen zu fördern, nutzte ein breites Bündnis den „Tag des Freiwilligen“, der weltweit am 5. Dezember gefeiert wird, um sich der Öffentlichkeit vorzustellen. „Die Party war als niederschwelliges Angebot konzipiert und ein voller Erfolg“, bilanziert Abrams die Veranstaltung in einem öffentlichen Club, bei dem sich soziale Organisationen interessierten jungen Menschen vorstellten.
 
Die Infobörse und der Adressenpool wurden rege nachgefragt, über 50 Russen erklärten sich interessiert, zu arbeiten. Unentgeltlich, für andere, in der eigenen Stadt. „Nach der Infoaktion haben wir sogar eine Anfrage einer Managerin bekommen, die sich gerne zweimal in der Woche um alte Menschen kümmern möchte“, erzählt Abrams. „Es bewegt sich was in Russland, es werden auch von russischer Seite Gelder für soziale Projekte frei“, findet sie, und nun gelte es, den Freiwilligengedanken auch auf politischer Ebene zu etablieren. Mit Projekten wie der „Stadtaktion gegen Rassismus“ der Stadtverwaltung Petersburgs sei ein erster, kleiner Schritt getan. Viele weitere sollen folgen – damit sich Freiwillige in Russland nicht mehr die Frage anhören müssen, warum sie denn bloß ohne richtige Bezahlung arbeiten.

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