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„Jetzt stellt ihr euch alle wie Soldaten auf“

Im staatlichen Kindergarten Nummer 41 in Sankt Petersburg
Sankt Petersburg, Dezember 2006, Sara Reith

Mit einem knappen „Marsch“ beginnt für die Kinder im staatlichen Kindergarten Nummer 41 in Sankt Petersburg ein neuer Tag. Wohlgeordnet laufen sie auf dem großen Teppich in der Mitte des Gruppenraumes hinter der Erzieherin mit dem Schellenkranz her, heben artig die Knie, stellen sich an der Teppichkante auf und legen die Hände flach am Körper an. „Dobre utre“, „Guten Morgen“, schallt es sodann gehorsam aus fünfzehn Kinderkehlen.

Die Erzieherin ermahnt den Dreijährigen, der die Füße nicht parallel hält, grüßt ihrerseits und lächelt. Jetzt kann es Frühstück geben – nach dem kollektiven Händewaschen, versteht sich. Die Russische Kindererziehung setzt auf Disziplin, Ordnung und Gehorsam. Fast wähnt man sich gar nicht in einer Gruppe Drei- bis Siebenjähriger, so leise und gesittet spielen, toben und streiten die fünfzehn Kinder. Feste Rituale strukturieren den Tag im Kindergarten, der durch einen Mittagsschlaf in zwei Hälfen geteilt wird.

„Jetzt stellt ihr euch alle wie Soldaten auf“, begrüßt die junge Sportlehrerin die Kinder.
photo: Sara Reith

Nach dem Frühstück können sich die Kleinen mit den Spielsachen im Gruppenraum beschäftigen, danach stehen Singen, Ausflüge auf den Spielplatz oder Turnen auf dem Tagesplan, nicht zu vergessen das Mittag- und Abendessen. Auch im kleinen Sportsaal im Keller der großen Einrichtung herrscht Disziplin. „Jetzt stellt ihr euch alle wie Soldaten auf“, begrüßt die junge Sportlehrerin die Kinder. Auf den Linien des Parketts wird marschieren geübt, verstöße gegen die aufgestellten Regeln werden mit einem Strafverweis in die Ecke des Raumes getadelt.

Andererseits setzen die Erzieher, Sport- und Gesangslehrer sowie Pädagogen und Logopäden in dem integrativen Kindergarten auch auf eine sehr liebevolle, individuelle Betreuung. Kinder werden in den Arm genommen, getröstet, in den Schlaf gesungen, gehätschelt, umsorgt. Schon im September werden sie in Schal, Mütze und Handschuhe gepackt, auf dass sie sich bloß nicht erkälten, und neben jeder Türklinge warnt ein buntes Piktogramm eindrücklich vor der Gefahr für die Hände. Fast scheint es, als habe die sowjetische Erziehung auch nach dem politischen Wandel nicht ausgedient.

Im Gesellschaftsspiel aus den siebziger Jahren spielen der geldgierige Amerikaner und der gute Russe die Hauptrollen, das Kollektiv steht vor den Bedürfnissen des Einzelnen. Doch gerade die jungen Erzieherinnen bringen frischen Wind in die Gruppe. Nach dem zweistündigen Mittagsschlaf sorgt das Radio mit lauter Popmusik für allgemeines Erwachen, und möchte ein Kind partout nicht den penetrant riechenden Fischauflauf aufessen, gibt es schon mal eine Ausnahme und eine individuelle Verköstigung mit Butterbroten, Obst oder Schokolade.
 
„Kindergarten“ bedeutet in Russland nicht die bloße Verwahrung von den Jüngsten, sie lernen hier lesen und rechnen, musizieren und tanzen. Eine junge Ärztin sorgt nach festgelegtem Plan für die medizinische Versorgung, Logopäden kümmern sich um die richtige Aussprache des dumpfen „r“, mit der nicht nur Ausländer, sondern auch junge Russen zu kämpfen haben. Dicke, voll geschriebene Hefte zeugen von den Bemühungen um die frühkindliche Förderung der Motorik, Seite um Seite malen Sascha, Milena, Mila, Oleg und die Anderen Kreise, Vierecke und Ovale, während die Erzieherinnen täglich Berichte über das Verhalten ihrer Schützlinge verfassen und Empfehlungen für spezielle therapeutische Maßnahmen geben.

Erziehrinnen - Erzieher gibt es praktisch nicht – genießen in Russland trotz miserabler Bezahlung ein hohes Ansehen. Zum „Tag der Lehrerin“, der am 5. Oktober gefeiert wird, werden sie von den Eltern ihrer Schützlinge mit Blumen, Torten und Konfekt reichlich beschenkt. Und an einem solchen Ausnahmetag fällt es auch gar nicht auf, wenn die fünfzehn Kinder pro Gruppe, darunter drei mit körperlichen und geistigen Behinderungen, trotz aller Regeln viel Chaos stiften, das den Alltag auflockert – wie Kinder ihres Alters in wohl jedem Land der Erde.      

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