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Ayaan Hirsi Ali aus den Niederlanden setzt sich für die Rechte muslimischer Frauen ein. Reader's Digest wählte sie jetzt zur Europäerin des Jahres. Die Auszeichnung wird ihr am 23. Januar 2006 in Den Haag übergeben.
photo: Reader's Digest Deutschland

Jeder zweite Europäer hat gute Meinung über Einwanderer

Umfrage: 80 Prozent verlangen, dass Zuwanderer die Sprache des Gastlandes lernen - Magazin Reader's Digest kürt Ayaan Hirsi Ali zur "Europäerin des Jahres 2006"

Stuttgart (ots), 4 Januar 2006
Trotz der Bombenanschläge islamistischer Extremisten in London und Madrid und der jüngsten Unruhen in Frankreich ist mit 47 Prozent fast jeder zweite Europäer davon überzeugt, dass Einwanderer ein Gewinn für sein Land sind. Das geht aus einer Umfrage des Magazins Reader's Digest in acht europäischen Ländern hervor.

Die Zeitschrift veröffentlicht die Ergebnisse der Analyse in ihrer Januar-Ausgabe und kürt zugleich Ayaan Hirsi Ali (36) zur "Europäerin des Jahres 2006". Die gebürtige Somalierin und niederländische Parlamentsabgeordnete setzt sich seit Jahren für die Rechte muslimischer Frauen ein. Sie war europaweit bekannt geworden, als im November 2004 der Regisseur Theo van Gogh, mit dem sie zusammen den Film Submission (Unterwerfung) gedreht hat, von einem fanatischen Muslim in Amsterdam ermordet wurde.

Reader's Digest befragte für seine Analyse rund 7800 Menschen in Belgien, Deutschland, Großbritannien, Portugal, Holland, Schweden, Spanien und der Schweiz, um zu erfahren, wie tolerant Europa derzeit wirklich ist. Demnach gaben 73 Prozent der Befragten an, sie hätten positive Erfahrungen mit Einwanderern im Alltag gemacht. Selbst in der umstrittenen Frage, ob muslimische Frauen in der Schule oder am Arbeitsplatz ein Kopftuch tragen dürfen, gab es ein überraschend klares Votum. Im Durchschnitt befürworten dies 49 Prozent, wobei die Zustimmung in Deutschland (37 Prozent) deutlich niedriger liegt als in Großbritannien (64 Prozent).

Allerdings werden von den Einwanderern auch Gegenleistungen erwartet. So verlangten 80 Prozent, dass die Aufenthaltsgenehmigung für Zuwanderer an die Auflage gekoppelt sein sollte, sich mit der Sprache, der Geschichte und der Kultur des Gastlandes vertraut zu machen. Und noch ein Wert lässt aufhorchen und macht zugleich deutlich, dass die Menschen sehr wohl zu unterscheiden wissen: 86 Prozent aller Befragten waren der Meinung, dass religiöse Führer der Einwanderer ausgewiesen werden sollten, wenn sie für den Terrorismus eintreten.

Ayaan Hirsi Ali wurde in Mogadischu geboren und musste mit 22 Jahren eine Zwangsheirat mit einem Mann aus ihrem Familienclan eingehen. Aber die Frau floh in die Niederlande, lernte die dortige Sprache, beantragte politisches Asyl, verdiente sich Geld mit Hilfsarbeiten und studierte schließlich Politologie.

Nebenbei arbeitete sie als Übersetzerin für niederländische Behörden und lernte bei der Arbeit in Krankenhäusern, Schulen und Flüchtlingsheimen das Elend der zumeist dunkelhäutigen Frauen kennen. Fortan setzte sie sich gegen Unterdrückung ein, kämpfte gegen Misshandlungen, Vergewaltigungen und Zwangsehen. "Wenn die Leute nur wüssten, wie viele muslimische Mädchen in panischer Angst leben", sagt Ayaan Hirsi Ali.

Ihr Kampf für mehr Emanzipation in den muslimischen Familien hat sie inzwischen zu einer der gefährdetsten Personen in Europa gemacht. Seit den Terroranschlägen von New York im September 2001 steht sie unter Polizeischutz, mehrmals waren Mordanschläge auf sie geplant. Seit Januar 2003 setzt sie sich als Abgeordnete im niederländischen Parlament mit politischen Initiativen für die Befreiung muslimischer Frauen ein.

Die Tatsache, dass ihr guter Freund Theo van Gogh im vergangenen Jahr ermordet wurde, für den sie das Drehbuch zum Kurzfilm Submission (Unterwerfung) geschrieben hatte, in dem die Misshandlungen muslimischer Frauen thematisiert werden, hat sie in ihrem Engagement nur noch bestärkt. Ihr Büro wird immer öfter von Anfragen Hilfe suchender Frauen überhäuft, die Opfer von Gewalt wurden und dann in einem Frauenhaus Zuflucht gefunden haben. So schlimm diese Fälle sind, so sehr sieht sich die Menschenrechtlerin auf dem richtigen Weg: "Mein größter Erfolg ist, dass die Probleme heute im Bewusstsein der Öffentlichkeit sind."

Reader's Digest ist mit 4,15 Millionen Abonnenten in Europa eine der meistgelesenen Zeitschriften. Das Magazin erscheint in 17 europäischen Ländern, darunter seit November 2005 auch Rumänien. Kroatien und Slowenien werden im Laufe des Jahres 2006 dazukommen.

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